Evangelische Gemeinden der Bukowina

Sommer 2020

Evangelisch in der Bukowina

Von der Galizischen-Superintendentur A.B. der Evangelischen Kirche in Österreich zur Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien

 

Geschichte bis 1918 In der Nachfolge des Russisch-Türkischen Krieges von 1768 – 1775 wurde die Bukowina aus der moldauischen Herrschaft in die des Habsburgerreiches überführt. Es begann eine starke Entwicklung der Infrastruktur sowie die Ansiedlung deutschsprachiger Handwerker, Bauern und Grubenarbeiter. Sie gründeten eigene Ortschaften oder Ortsteile. Evangelische Siedler kamen vorwiegend 1787 aus Galizien und ließen sich vor allem in der südlichen Bukowina niederließen. Das Toleranzpatent von Joseph II (1781) ermöglichte schon in der Anfangsphase den Aufbau kirchlicher Strukturen. Die Gemeinden wurden zuerst von Galizien aus betreut. 1791 erhielten sie dann mit Daniel Hübel ihren ersten Pastor mit Sitz in Milleschoutz (Milișăuți). Das deutsche Bürgertum der Städte wurde zur geistigen und politischen Elite des Landes. 1786 wurde die Bukowina mit Galizien vereint, was die positive Entwicklung der Region bremste. Sie wurde jedoch 1849 Kronland mit eigenem Parlament. 1868 wurde das evangelische Seniorat mit Sitz in Czernowitz (Cernivci), gegründet, welches weiterhin zu der Galizischen Superintendentur gehörte. Die Bildungsbemühungen erreichten mit der Gründung der „Francisco-Josephina“ Universität in Czernowitz 1875 ihren Höhepunkt, wo außer Deutsch auch Rumänisch und Ukrainisch unterrichtet wurde. Diese Zeit brachte auch eine Dynamisierung der unterschiedlichen nationalen Tendenzen mit sich. Für die evangelischen und katholischen Deutschen wurde der „Verein christlicher Deutschen“ ein wichtiger Träger, da sie sich dadurch gegen die Deutsch sprechenden Juden und die Polnisch sprechenden Katholiken abgrenzen konnten. Die Volkszählung von 1910 ergab für das ganze Land 800.000 Personen, wobei die Evangelischen nicht mehr als 20.000 ausmachten. Im ersten Weltkrieg wurde die Bukowina dann Kriegsschauplatz. Zwei Mal besetzten russische Truppen (1915 und 1917) das Land und wurden zwei Mal zurückgeworfen.

Geschichte nach 1918 1918 begann ein Wettstreit der ukrainischen und der rumänischen Bevölkerung um den Anschluss der Bukowina an das jeweilige Land. Daraufhin besetzten rumänische Truppen das Land und schafften vollendete Tatsachen, die auch international anerkannt wurden. Es folgte die Umgestaltung der Region nach Bukarester Vorstellungen. Die deutsche Bevölkerung war auf sich gestellt, gründete die „Nationalversammlung der Deutschen“ und sammelte sich um die „Deutschen Häuser“. Die evangelischen Gemeinden waren im gesellschaftlichen Leben weiterhin sichtbar, unterhielten Schulen und soziale Einrichtungen. Administrativ schlossen sie sich an die siebenbürgische Kirche an und konnten mit Victor Glondys sogar einen Bischof stellen (1932 – 1941). 1940 besetzte die Sowjetunion im Zuge ihres Abkommens mit Deutschland die Nordbukowina. Alle Deutschen, sowohl aus der sowjetischen als auch aus der rumänischen Bukowina wurden daraufhin in deutsche Randgebiete umgesiedelt. Von hier mussten sie am Kriegsende weiter. Viele kamen nach Bayern. 1946 wurde dort das Hilfskomitee der evangelischen Bukowinadeutschen ins Leben gerufen und 1949 die Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen. Die wenigen in der Heimat Verbliebenen wurden entweder deportiert oder sie wanderten nach Deutschland aus. Die Betreuung der evangelischen Gemeinden übernahmen Diasporapfarrer aus Siebenbürgen. Die Kirchen und Friedhöfe wurden schrittweise verkauft oder verschenkt.

Gegenwart Heute leben rund 50 Evangelische in der rumänischen Bukowina, die Hälfte davon in Suczawa (Suceava), dann einzelne in Raduatz (Radăuți), Jakobeny (Iacobeni), Dorna Watra (Vatra Dornei) und Eisenau (Prisaca Dornei). Alle drei Monate werden sie von dem Bistritzer Pfarrer besucht. In Deutschland sammelt sich die Erlebnisgeneration um die Landsmannschaft und die Interessierten um das Bukowinainstitut in Augsburg.   


Ehemalige Evangelische Kirche Ilisesti

Foto: Archiv Geier

Kurt Rein

 * 1932 Altfratautz/Bukowina

 

Kurt Rein wird schon als Kind - zusammen mit fast allen Bukowinadeutschen - Ende 1940 umgesiedelt. Er wird später in Deutschland zu einem anerkannten Sprach- und Dialektforscher, der sich in seiner Forschungstätigkeit auch auf die Gebiete Ost- und Südosteuropas konzentriert hat. 


Die Altvorderen der Bukowiner-Rein-Familien stammen aus dem rheinland-pfälzischen Kreis Birkenfeld, dem Raum des heutigen Landkreises Birkenfeld. Johann Theobald Rein (geboren 1743 in Bosen) war mit einer größeren Gruppe evangelischer Familien (Bessai, Brucker, Etter, Hodel, Kurz, Zachmann) nach Galizien ausgewandert, von wo sie nach wenigen Jahre fast geschlossen weiter zogen in die neu erworbene habsburgische Bukowina. Die Rein-Familie wurde 1788 in Alt-Fratautz (rum: Frătăuții Vechi) angesiedelt. Hier lebten sie bis zur Umsiedlung im Spätherbst 1940. Kurt Rein wird am 6. März 1932 in Alt-Fratautz geboren, einer vorwiegend evangelischen Siedlung. Da sein Vater Notar der ungarischen Szeklergemeinde Andrasfalva (rum: Măneuț) ist, wächst er in multiethnischer Umgebung auf. 1941 kommt er in der Nachumsiedlung über Kronstadt in Siebenbürgen in das Gebiet des deutschen Reichs. Seit Dezember 1940 sind die meisten Umsiedlerfamilien aus Fratautz im oberbayerischen Waldsassen in einem enteigneten Kloster und einer beschlagnahmten Turnhallte notdürftig untergebracht. Die Familie Rein zieht nach Weiden in der Oberpfalz, wo er die Schule besucht und 1951 mit Abitur abschließt. Im Herbst selben Jahres beginnt er das Studium an der Uni München, aber geht dann über ein staatliches Stipendium an die Uni Mainz und danach nach Marburg, wo sein Doktorvater ihn zur Dialektforschung hinführt. 1957 erlangt er mit einer Arbeit zur Areallinguistik den Doktortitel. In diesem Jahr heiratet er. Aus der Ehe werden drei Kinder entstehen. Kurt Rein habilitiert 1973 zu einem soziolinguistischen Thema. In seiner Arbeit versteht er sich als Schüler des siebenbürgischen Forschers Karl Kurt Klein. Eine Gastprofessur führt ihn nach Chicago, Georgetown. An dem Institut für deutsche Philologie der Ludwig-Maximilian-Universität setzt er sich – in einer Zeit in der der Eiserne Vorhang für viele ein Endpunkt war – für Ost- und Südosteuropa ein. Er ist zugleich Forscher und Professor, betreut Arbeiten von Studenten und fördert akademische Partnerschaften. Auch nach seiner Emeritierung, 2002, bleibt er der Wissenschaft treu. In Baldham bei München kann er – inzwischen leider als Witwer - seinen 80ten Geburtstag feiern. Für seinen Einsatz für die Regionen der ehemaligen Monarchie – neben der Bukowina - besonders Siebenbürgen, Galizien und dem Banat, aber auch für Bessarabien und die Dobrudscha, erhält er von der Universität aus Budapest den Ehrendoktor und wird in Rumänien 2004 in die große „Enciclopedia Bucovinei“ aufgenommen. Er wirkt im Vorstand des Bukowina-Instituts an der Universität Augsburg sowie im Bundesvorstand der Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen mit. Hier fühlt er sich besonders mit „seinen“ evangelischen Pfälzern und Saarpfälzern verbunden. Die Herausgabe der Neuauflage des Heimatbuchs Fratautz (2005) ist eine Hommage an seinen Geburtsort. Das digitale Festhalten der drei Hauptmundarten der ehemaligen Bukowina (Pfälzerisch, Deutsch-Böhmisch, Zipserisch) gehört zu seinen Leistungen. 

Foto: Archiv Geier

 

 

Das Programm

noch nicht festgelegt



Die Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit  dem Deutschen Kulturforum östliches Europa, sowie der evangelischen Diaspora der südlichen Bukowina durchgeführt.



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