Evangeliche Gemeinden im Banat

Sommer 2019

Evangelisch im Banat

Von der Montan-Superintendentur der Evangelischen Kirche in Ungarn zur Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien

 


Bis 1918 Die protestantische Geschichte des Banats begann in der Reformationszeit. Der Temeswarer Ban serbischer Ethnie Peter Petrovits war ein starker Förderer der Reformation. Der Aufbau evangelischer Strukturen wurde jedoch unterbunden, da die Osmanen 1552 das Banat eroberten. 1718, mit dem Frieden von Passarowitz begann das evangelische Leben wieder. Der Landstrich wurde durch die Habsburger neu besiedelt. Die Siedlungspolitik war jedoch nicht protestanten-freundlich. Einzelne wurden trotzdem durch private Lokatoren ins Land gebracht. 1778 wurde das Banat von einer Habsburger Krondomäne zu einem Teil Ungarns. Mit Josef II und dem Toleranzpatent 1781 änderte sich die religiöse Situation. So konnte beim dritten Schwabenzug 1786 das evangelische Dorf Liebling gegründet werden. Durch neue Besiedlung und Binnenwanderung verstreuten sich die Evangelischen in Landgemeinden, Bergbauorte und Städte. Sie machten nie mehr als 10% der 320.000 Banater Schwaben und Berglanddeutschen aus. Die Kirchengemeinden waren multiethnisch und multikonfessionell: lutherisch, reformiert, uniert, deutsch, ungarisch, slowakisch. Die Gemeinden begannen sich im 19. Jh. zu etablieren, Kirchen und Schulen wurden gebaut und ausgestattet. Durch das ungarische Protestantenpatent von 1859 versuchte Wien allen Kirchen eine einheitliche Ordnung zu geben. Die deutschen evangelischen Gemeinden erhielten eine eigene Superintendentur. Das Patent konnte nicht durchgesetzt werden und so blieben die Banater in der ungarischen Montan Superintendentur. Durch den Ausgleich von 1867 wurde die evangelische Kirche zum Instrument der Staatspolitik und ihre Mitglieder blieben in ihrer Identität angefochten. Sie zogen kaisertreu in den großen Krieg.

            

Nach 1918 Am 21. Juni 1919 wurde der Landstrich zwischen Serbien, Rumänien und Ungarn geteilt. Damit wurden die Kirchengemeinden voneinander getrennt und mussten sich in ihren jeweiligen neuen Staaten einrichten. Die mehrheitlich deutschen und slowakischen Gemeinden schlossen sich der siebenbürgischen evangelischen Kirche an und bildeten den Banater Bezirk respektive – bis 1953 - das slowakische Dekanat Nadlak. Die ungarischen Gemeinden wurden Mitbegründer der neuen Synodal-Presbyterialen Kirche in Rumänien. Die evangelisch-deutschen Banater nutzten zunehmend die siebenbürgische Liturgie, behielten aber einige Eigenheiten. Die Zwischenkriegszeit radikalisierte auch diese Region. Die Banater Deutschen wurden Teil der Deutschen Volkgruppe in Rumänien und stellten Soldaten für den Krieg. Nach dem Frontwechsel Rumäniens flohen viele vor der Roten Armee in den Westen. Für die Verbliebenen folgte die Deportation in die Sowjetunion und in den Bărăgan, die Enteignung und Kollektivisierung. Zunehmend setzte auch die Aussiedlung nach Deutschland ein. Der eigene Kirchenbezirk wurde aufgelöst und dem Mühlbacher Bezirk angeschlossen. 1950 haben sich die Banater Schwaben in Deutschland zu einer Landsmannschaft und die Banater Berglanddeutsche 1981 zu einem Heimatverband zusammengeschlossen. In den letzten Jahren des Kommunismus waren nur die Pfarrstellen von Reschitza, Birda, Liebling und Semlak besetzt. Nach der Wende war die Ausdünnung der evangelischen Gemeinden im Banat so massiv, dass außer Gottesdiensten kein weiteres Gemeindeleben mehr möglich war.          

 

Gegenwart Im ganzen rumänischen Banat leben heute ca. 250 deutschsprachige Evangelische auf alle Kirchengemeinden verstreut. Sie werden von einem Pfarrer, Walter Sinn, aus Semlak betreut. Im Schulterschluss mit den römisch-katholischen Banater Schwaben kann durch das Demokratische Forum der Deutschen übergemeindliches Leben ein regionales kulturelles Leben organisiert werden. 2017 wird so in Reschitza ein Kirchentag zum Reformationsjubiläum gefeiert, der ökumenisch, interkulturell und international ist. 

Foto: Visitation Bischof Müller im Banat, 1951 (Archiv Teutsch)

Elisabeth Klamm

* Semlak 1935 + Böblingen 2011

Liksa Klamm ware eine hoch motivierte Lehrerin. Mit der Mehrheit ihrer Gemeinschaft erduldete sie den real existierenden Kommunismus und reiste in der zweiten Lebenshälfte nach Deutschland aus. 


Elisabeth Klamm kam als drittes Kind der wohlhabenden Bauernfamilie Heinrich und Elisabeth Klamm, geborene Bartholf in Semlak, im ungarischen Komitat Arad, zur Welt. Ein erstes Kind der Familie stirbt kurz nach der Geburt. Wie viele Banater wächst sie und ihre Bruder Samuel dreisprachig auf, deutsch, rumänisch und ungarisch Der große Krieg trifft die Familie Klamm hart, obwohl in Semlak selbst keine Kriegshandlungen stattfinden. Vater und Knechte müssen als Soldaten an die Front, Pferde werden requiriert. Sie besucht die Volksschule der evangelischen Gemeinde Semlak. Die Mutter, inzwischen Witwe, setzt sich dafür ein, dass ihre Kinder eine gute Schulbildung erhielten. So kommt sie mit 13 Jahren nach Temeswar in die katholische Notre Dame Klosterschule. Sie wechselt nach Hermannstadt, in das Ursulinen-Mädchengymnasium. Nach dem Abitur studiert sie in Klausenburg – nach dem Wiener Schiedsspruch in Hermannstadt - Philosophie, Literatur und französische Sprache, wobei der Dichter Lucian Blaga ihr Dozent ist. Ihr Bruder Samuel wird in die rumänische Armee eingezogen und muss an die Ostfront. Sie heiratet Teodor Pasculovici, einen Semlaker Komilitonen der Medizin. Ihr Mann ist Serbe, zu Hause spricht man rumänisch. In dieser unruhigen Zeit hält sie sich von Politik fern. Um ihre kranke Mutter zu pflegen, kehrt sie nach Hause zurück. Aufgrund ihres serbischen Familiennamens wird sie 1945 nicht deportiert. Ihr Bruder entgeht dem Schicksal auch, indem er - in einem Heuwagen versteckt - nach Nadlak flüchtet. Der Familie wird der gesamte Grundbesitz und das Wohnhaus enteignet. Sie tritt – als einzige Lehrkraft mit Hochschule - in den Schuldienst der nunmehr staatlichen Schule in Semlak. Da muss sie unterschiedliche Fächer lehren, aber nie Philosophie. Ihre Ehe wird geschieden, eigene Kinder wird sie nicht haben. Sie kümmert sich aber – als „zweite Mutter“ - um ihre Schüler, bewirtschaftet den Garten und widmet sich der Handarbeit. Ihre Mutter pflegt sie bis zu deren Tode. Als es im Dorf keinen Deutschunterricht gibt, erteilt sie diesen privat und kostenfrei. Für alle im Dorf beginnt die Zeit der Wirtschaftskrise. Sie geht in Pension. Nach längerer Wartezeit erhält sie 1983 die Ausreisegenehmigung nach Deutschland, zu ihrem schon früher ausgewanderten Bruder Samuel. Sie darf nun frei reisen, besucht Klassentreffen und freut sich ihrer Verwandtschaft. Mit ihrem Bruder hilft sie durch genealogische Forschung die Geschichte Semlaks zusammenzustellen Ihr letzter Aufenthaltsort ist das evangelische Wohnstift „Haus am Marienplatz“ in Böblingen. 

 

„Als eine der ältesten Lehrkräfte hatte sie schon genug Erfahrung und konnte geschickt unseren Versuchen, uns gewisse Freiheiten zu nehmen, vorbeugen. Sie übernahm es, uns über Themen wie Benehmen, Höflichkeit und Respekt zu unterrichten. Auf unsere Hobbys nahm sie Einfluss: Förderung der Brieffreundschaften zu Schülern aus der DDR, Sammeln von Schauspielerfotos oder Briefmarken, abonnieren von Zeitschriften. Bei Sitzungsfahrten nach Arad versorgte sie uns mit Schulutensilien, aber auch mit Nagelscheren, Pflegelippenstiften oder Nylontüten für die Pausenjause.“ (Joachim Wagner)

 

Foto: Elisabeth Klamm mit Schulklasse. Archiv Schmidt

 

 

Das Programm

noch nicht festgelegt


noch nicht festgelegt

 

Foto: Stefan Bichler


Die Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit dem Evangelisch-Lutherischen Dekanat Nadlak und dem Deutschen Forum östliches Europa, Potsdam, durchgeführt



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