Evangelisch Lutherische Kirche in Ungarn

Frühsommer 2020

Protestanten in Ungarn

 

Von der Evangelischen Kirche A.B. in Ungarn zu der Evangelisch - Lutherischen Kirche in Ungarn


Geschichte bis 1918  Die Werke Luthers haben Ungarn sehr früh erreicht, Handelsleute, Studenten, aber auch Adelige - wie Georg Markgraf zu Ansbach-Brandenburg (der Leumund von König Ludwig II)- haben den Geist der Kirchenerneuerung  mitgebracht. 1523 erließ der ungarische Landtag ein Gesetz gegen die Reformation. Dahinter stand der königliche Würdenträger Istvan Werböczy, der damit die Stellung des Adels behaupten wollte, aber auch Unterstützung gegen die Türken suchte. Die Schlacht von Mohacs, 1526, welche das Ende des mittelalterlichen Ungarns bedeutete, mischte die Karten neu. Wenn zu Beginn die reformatorischen Gedanken in deutschen bürger-lichen Kreisen isoliert waren, so änderte sich das mit dem Wirken von Mátyás Dévai. 1530 predigt er in Buda reformatorisch und ungarisch. Adlige Familien wie Perenyi, Drágffy, Török oder Petrovics wendeten sich der Reformation zu. 1567, auf der Synode von Debrecen, neigt sich die Mehrheit der ungarischen Protestanten dem Calvinismus zu, die Lutheraner hatten ihren Rückhalt vorwiegend bei Slowaken und Deutschen. Im 17. Jahrhundert war der Protestantismus in Ungarn die Mehrheitsreligion, allerdings kämpfte sich der römische Katholizismus - unterstützt von den Habsburgern - durch die Jesuiten zurück. Gemeinden, Kirchen und Schulen gingen verloren. Der reformatorische Glaube verband sich nun mit dem Freiheitskampf gegen die Habsburger. Es begannen die Kuruzenkriege. Die Trauerdekade des ungarischen Protestantismus war 1671 – 1681. In dieser Zeit wurden viele evangelische Geistliche, Lehrer und Laien des Landes verwiesen oder sogar hingerichtet. Einen europäischen Aufschrei verursachte die Verschickung von Protestanten auf spanische Galeeren, Auf dem Reichstag von Sopron, 1681, gesteht Kaiser Leopold I den Protestanten eine gewisse Glaubensfreiheit zu. Die Kirchenstruktur konnte aber erst 1731 durch einen Erlass des Königs Karl III. geschaffen werden. Mit dem Toleranzpatent von 1781 änderte sich die Rechtslage zum Guten. 1848 standen alle ungarischen evangelischen Bischöfe auf der Seite des Freiheitskampfes und trugen auch dessen Folgen. Einer österreichischen Zentralisierung der Kirchen, 1859, widerstand man. Durch den 1867 errungenen Ausgleich änderte sich die kirchliche Situation noch einmal grundlegend, die protestantischen Kirchen wurden nun ihrerseits dominant. Der Erste Weltkrieg und die kurz darauf folgende Räterepublik wirbelten danach alles gewachsene Leben durcheinander.

Geschichte nach 1918 Der Friedensvertrag von Trianon, 1920, reduzierte Ungarn auf ein Drittel. Oberungarn, Siebenbürgen, das Banat und Westungarn wurden abgetrennt. Das betraf auch die evangelische Kirche stark. Der Gedanke des Irredentismus griff um sich. Das „ungarische Credo“ musste von der Kirche mitgesprochen wurden: „Ich glaube an den einen Gott, ich glaube an die eine Heimat, ich glaube an die ewige göttliche Gerechtigkeit, ich glaube die Auferstehung Ungarns!“ Unter dieser Parole war auch eine überkonfessionelle Zusammenarbeit möglich.  Der Antisemitismus brachte sodann eine starke Herausforderung. Obwohl die Führer der evangelischen Kirche im ungarischen Oberhaus teilweise für die diskriminierenden Gesetze stimmten, gab es große Beispiele des Einsatzes für jüdische Verfolgte. Jenseits der Politik gab es viel Arbeit in der Inneren Mission und der Diakonie. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges begann die Zeit der kommunistischen Diktatur, in der Kirchenvermögen und Schulen enteignet wurden. Pfarrer und Bischöfe wurden verfolgt. Beispielhaft dafür ist der Leidenswege des Bischofs Lajos Ordass. Sozial gesehen wurde die lutherische Kirche von dem ungarisch-slowakischen Bevölkerungsaustausch und der Vertreibung der deutschen Gemeindeglieder betroffen. Das Jahr des ungarischen Aufstands, 1956, wurde als „Gnadenjahr“ empfunden, welches der geistlichen Leere in der Bevölkerung entgegenwirkte. Mit der nach der Niederschlagung folgenden „Diakonischen Theologie“ zog eine Haltung in die Kirche ein, die versuchte sich mit dem kommunistischen Staat zu arrangieren. Eine relative Festigung der Kirche trat dadurch ein. Aber erst nach der Wende wurden die Kirchen wieder Partner des ungarischen Staates auf Augenhöhe.  

Gegenwart Heute hat die Evangelisch Lutherische Kirche in Ungarn in einem Land von 10 Mio. Einwohnern 215.000 Mitglieder. Sie zählt 233 Gemein-den und ist in drei Diözesen (17 Dekanate)aufgeteilt. Eine ihrer Stärken ist die Bildung. 17.000 Schüler besuchen 58 evangelische Anstalten. Wichtig ist die evangelische Diakonie, bei der in 45 Institutionen 8.000 Menschen Betreuung finden, wobei die Roma-Arbeit einen hohen Stellenwert hat. Die kirchliche Arbeit funktioniert in Zusammenarbeit mit, aber auch in Abgrenzung gegen staatliche Politik, z.B. in der Flüchtlingsarbeit. Der eine ihrer Schwerpunkte ist sozial und lässt sich mit den Begriffen „Solidarität und Transparenz“ definieren, der andere mit „Sichtbar Lutherisch“ und zielt auf Ehrenamt, Vernetzung, Seelsorge, Nachhaltigkeit und Professionalität.


Evangelisch-Lutherische Kirche Szárszentlörinc

Foto: Familienarchiv Csepregi

Béláné Csepregi

 *Eger/Erlau 1920

Sárszentlőrinc 2012

Béláné Csepregi, geborene Piroska Medgyaszay war eine vorbildliche Familienmutter, Pfarrfrau, Kantorin sowie Mitarbeiterin in der lutherischen Erweckung Ungarns. 


 

 Piroska Medgyaszay wächst in einer Budapester selbstbewussten protestantischen Bürgerfamilie auf. Die Eltern hatten 1918 die Ehe geschlossen, nachdem der Vater aus dem Kriege zurückgekehrt ist. Er ist Architekt, die Mutter sorgt für die ruhige familiäre Basis. Ihre geistliche Heimat ist die Gemeinde am Deák-Platz. Unter Einfluss ihres Religionslehrer, László Danhauser findet sie zum Glauben. Sie ist in der Pfadfinderbewegung aktiv, die ihre Denkweise beeinflusst: offen für Neues, tatbereit, empathisch für Mitmenschen. Nach dem Matura verbringt sie ein Jahr in England, in einem internationalen Pfadfinderzentrum, wo sie lebenslange Freunde findet. In die Heimat zurückgekehrt, arbeitet sie als Lehrerin für Stenographie. Weil sie mütterlicherseits jüdischer Abstammung ist, wird ihr 1942 gekündigt. Danach setzt sie ihre Kenntnisse als Erzieherin in der Mädchenvolkshochschule Celldömölk ein. Die Stelle hat ihr Pfarrer Béla Csepregi angeboten, der – nach einem Jahr in Finnland – einer der Hauptorganisatoren der ungarischen lutherischen Volkshochschulbewegung geworden ist. Sie heiratet Béla Csepregi. Die Belagerung von Budapest steht sie zusammen mit ihrem ersten Kind durch. Ihr Ehemann – als Zivilist – gerät in Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg wird er Pfarrer der Inneren Mission. In 10 Ehejahren haben sie 6 Kinder. Neben der Versorgung der Kinder hilft sie ihrem Mann und transkribiert nachts auf der Maschine dessen stenographisch aufgezeichneten Predigten und Vorlesungen. Ihre Wohnung ist zugleich auch Verlagslokal der lutherischen Evangelisation und der Redaktion der Wochenzeitung, „Lebendiger Wasser“. Der Staat verbietet die Evangelisation, ihr Mann wird nach Sárszenlörinc, ein Dorf des Komitats Tolna versetzt. Die fehlende Infrastruktur und Armut schrecken sie nicht zurück. Sie tut ihren Dienst treu, verteilt großzügig von ihren geistlichen und geistigen Schätzen. Mit einer für alle offenen Liebe setzt sie sich für die Gemeinschaft ein. Das Ehepaar bekommt noch 3 Kinder, das jüngste 1964. Mit ihrem Mann initiieren sie Treffen der Pfarrkinder des Dekanats. In den 60gern ist das politisch ein riskantes Unternehmen, bringt aber den Teilnehmern viel Segen. Die Kinder sind erwachsen, folgen dem Beispiel der Eltern und werden aktive Mitglieder der Lutherischen Kirche. 4 von 9 wählen den Pfarrberuf. Ihr Haus ist ständig offen für Kinder, Enkel, Freunde und Gäste aus der Ferne. Sie steht in lebhaftem Briefverkehr mit ausländischen Glaubensgenossen, unterrichtet die Kinder des Dorfes in Deutsch und Englisch, fördert die Bildung. Zusammen mit dem Ehemann entwickeln sie die Kontakte zu der finnischen Partnergemeinde, wodurch sie für die Gemeinde die Welt öffnen. Die ihr ganzes Leben gelebte Offenheit und Toleranz charakterisiert auch ihr hohes Alter. Sie ist dankbar für alles. Nach dem Tod ihres Mannes in 2004 lebt sie beherzt alleine. In den letzten beiden Lebensjahren muss sie lernen, ihren Lebensraum einzuschränken. Dieser wird das Bett, in dem sie nun - umrahmt von der Liebe ihrer Kinder - mit kindischen Seele lebt. Die einst aktive und tatkräftige Frau kehrt 2012 zu ihrem Schöpfer zurück. 

 

Foto: Familienarchiv Csepregi

 

 

Das Programm

noch nicht festgelegt


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Foto: Stefan Bichler


Die Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn, sowie dem Deutschen Kulturforum östliches Europa



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